Montag, 19. August 2013

Ist Solarworld dauerhaft gerettet!?

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Armin Brack,
Geldanlage-Report
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Ist Solarworld dauerhaft gerettet!?

16:19 19.08.13
Lieber Geldanleger,
kennen Sie den (Ex-) Sonnenkönig unter Deutschlands Konzernbossen? Zuletzt hatten sich Schatten auf das Reich von Frank Asbeck gelegt. Der Besitzer von zwei Prunk-Schlössern – das Anwesen Marienfels bei Remagen am Mittelrhein erwarb der Solarworld-Gründer von TV-Entertainer Thomas Gottschalk – hatte sein Unternehmen fast gegen die Wand gefahren.
Dass der Konkurs des einstigen Börsen-Überfliegers quasi in letzter Minute abgewendet wurde, hat Schwergewicht Asbeck einzig den Gläubigern und den Kleinaktionären zu verdanken. Diese mussten für das Überleben von Solarworld allerdings ihre Anteile fast komplett in den Wind schreiben.
So wurde auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Bonn in der vergangenen Woche u.a. beschlossen, in einer Kapitalerhöhung weitere 14 Millionen junge Aktien auszugeben. Die Altaktionäre allerdings sollen dabei leer ausgehen.
Für sie wurde das Bezugsrecht ausgeschlossen. Die neuen Papiere stellen dann 95 Prozent von Solarworld da, während der Anteil der Altaktionäre mit ihren 744.000 Aktien auf fünf Prozent zusammenschmilzt.
Viele Anteilseigner „der ersten Stunde“ (in der Mehrheit aus dem „Umfeld der Grünen“ in NRW – Asbeck gehörte 1979 mit Petra Kelly, Gert Bastian, Michael Vesper und anderen zu den Gründungsmitgliedern des ersten grünen Landesverbandes) sind schon lange ziemlich sauer auf „ihren“ Solarworld-Vorstandsvorsitzenden. Das kann der nicht nachvollziehen. Schließlich seien doch die Chinesen allein schuld an der Misere der Branche, so Asbeck an seine Kritiker.
Und so ließ es der Multimillionär – das ist er auch nach der gerade überstandenen Fast-Pleite noch – nur Tage nach der Konzern-Rettung wieder einmal richtig krachen. Seinen 54. Geburtstag feierte er mit einem rauschenden Schloss-Fest. Es ging so lärmend zu, dass nach Medienberichten sogar die Polizei ans Schlosstor klopfte und eine Anzeige schrieb.
Es bleibt zu hoffen, dass sich Asbeck nach der Partysause jetzt auf Wesentliches besinnt und seine Strategie für Solarworld noch einmal überdenkt. Leider lassen erste Äußerungen das aber nicht erwarten. Asbeck glaubt weiter fest an den Qualitätsvorteil der Solarworld-Module und sieht da den großen Vorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz.
Dabei fordern Experten seit Jahren, dass sich Solarworld auf seine starke Marke und den schlagkräftigen Vertrieb konzentriert. Stattdessen werden alle Arbeitsschritte beim Bau eines Moduls nach wie vor selbst durchgeführt – obwohl leicht transportierbare Massenprodukte wie Zellen aus Asien günstig geliefert werden könnten.
Gefährliche Visionen
„In einigen Jahren werden chinesische Module von den Dächern regnen“, fabuliert Frank Asbeck. Und weiter: „Wir sind absolut wettbewerbsfähig. Sonst würde ich nicht investieren, sonst würde Qatar nicht investieren.“
Tatsächlich will Asbeck zehn Millionen Euro in die Hand nehmen und sie in das „neue“ Solarworld stecken, Großinvestor Qatar Solar schießt noch einmal 35 Millionen Euro zu und gibt zudem ein Darlehen in Höhe von 50 Millionen Euro. Doch wird das reichen?
Asbeck kauft die neuen Aktien zu günstigen Konditionen. Die Araber wiederum verbinden mit dem Investment eigene Interessen. Es gibt angeblich Pläne, weitere Produktionsschritte in Katar aufzubauen.
Viele Investoren rechnen fest damit, dass der Großinvestor sich das Unternehmen über kurz oder lang ganz aneignen wird. Allerdings erst dann, wenn sich das Umfeld für die Solarworld-Aktie wieder nachhaltig aufhellt. Doch Besserung ist erst einmal nicht in Sicht. Die Halbjahresbilanz kann man nur als desaströs bezeichnen:
Die Konzernerlöse verringerten sich in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 41 Prozent von 340 auf 201 Millionen Euro. Der Absatz von Solarmodulen ging um ein Drittel zurück. Vor allem in Deutschland verkaufte Solarworld viel weniger Produkte als in der Vergangenheit. Der Absatzrückgang von 61 Prozent entspricht dem allgemeinen Marktrückgang für Solaranlagen in Deutschland.
Als Reaktion auf die schwierige Lage im Heimatmarkt richtet Solarworld sein Augenmerk immer mehr aufs Ausland. Erwirtschaftete das Bonner Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 noch 51,1 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands, waren es in den vergangenen sechs Monaten bereits 75,3 Prozent.
Immerhin: Der Versuch, sich gesundzuschrumpfen, hat zu einer Verringerung des Verlustes geführt. Das Ebit liegt zwar immer noch 69 Millionen Euro im roten Bereich, im gleichen Vorjahreszeitraum betrug das Minus sogar 144 Millionen Euro.
Weiter immens hohe Schulden
Lassen Sie sich davon jedoch nicht täuschen: Auch wenn der Rettungsplan durchgehen sollte, sitzt das Unternehmen weiter auf mehr als 400 Millionen Euro Schulden, die nur durch (bis jetzt) nicht absehbare Gewinne abgebaut werden könnten.
Und der Kompromiss im Solarstreit zwischen China und der EU, auf den auch Asbeck baut, hilft Solarworld und den anderen europäischen Modulherstellern nicht wirklich.
Zum Hintergrund: Um einen Handelskrieg zwischen der EU und China zu vermeiden, hat die EU-Kommission der Einführung von Mindestpreisen für Solarmodule aus chinesischer Produktion verbindlich zugestimmt. Unter 56 Cent je Watt darf ab sofort kein chinesischer Anbieter mehr Module anbieten, ohne massive Strafzölle zahlen zu müssen.
Das Problem: Bei weniger als 70 bis 80 Cent schreiben deutsche Anbieter bereits Verluste. Das weiß eigentlich jeder in der Branche. So hilft der Kompromiss den chinesischen Premium-Anbietern, die mit ihren Produkten in die EU drängen, am meisten: Sie können sich so Billig-Konkurrenz aus dem eigenen Land vom Leib halten.
Was deutsche Modulhersteller brauchen, ist eine Deckelung des Angebots aus China auf sieben Gigawatt pro Jahr. Diese Importmenge macht etwa 70 Prozent des europäischen Markts aus. Das restliche Drittel wäre dann noch immer groß genug, damit auch Solarworld und andere Konkurrenten außerhalb Chinas überleben könnten.
MEIN FAZIT:
Einst war die deutsche Solar-Branche das Zugpferd in die schöne, neue Welt der Erneuerbaren Energien. Es schien ein lohnendes Geschäft zu sein. Auch Solarworld profitierte zunächst stark vom Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit Einspeisevorrang und festen Vergütungen für Solaranlagen. Doch dann purzelten die Preise. China flutete mit billigen und immer besseren Modulen den Markt und bereits ab 2011 hatte Solarworld mit hohen Verluste und Umsatzeinbrüchen zu kämpfen.
Das Marktumfeld dürfte auch in Zukunft sehr herausfordernd bleiben. Vor allem in Europa. Mir ist nicht klar, wie Solarworld die Umsatzverluste auf dem deutschen Heimatmarkt durch neue Umsätze im Ausland kompensieren will.
Denn eines steht fest: Die Solarförderung im Rahmen des EEG sinkt weiter. Die europäisch-chinesische Einigung auf einen Mindestverkaufspreis für Solarmodule von 56 Cent pro Watt Leistung wird Solarworld und alle anderen deutschen Anbieter nicht vor der fernöstlichen Konkurrenz schützen.
Und kann Solarworld wirklich auf Qatar Solar bauen? Versuchen wir es positiv zu sehen: Wenn der neue Großaktionär Asbeck per Beteiligung und Darlehen zu Hilfe eilt – auch der Bau einer Siliziumfabrik im Emirat ist angeblich geplant – könnte Solarworld als Know-how-Lieferant stärker in sonnenreichen Regionen in Afrika und Arabien ins Geschäft kommen.
Das wäre ein Hoffnungsschimmer. Mehr aber auch nicht.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

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